Mongolei - Weite und Tiefe


  Startseite
  Über...
  Archiv
  Schaf in die Milchkanne
  Bild des Tages
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Nachdenklich
   Fotocommunity



http://myblog.de/mongolei

Gratis bloggen bei
myblog.de






Ein Plan ist ein Plan...



Ein Reiseplan ist eine Absichtserklärung... das gilt nicht nur für die Mongolei, da aber ganz bestimmt. Und er ist zur Beruhigung dafür bestimmt, dass alles gut eingeteilt und wohl überlegt sein mag. Kommen wird so Vieles dann ganz sicher anders - aber es wird gut sein, so wie es ist.

TAG
DATUM
STRECKE ZIELORT BESONDERES NACHT
01 07.07.06

Flug

Ulaanbaatar Einkäufe Guesthouse
02 08.07. 353km Ogii See Autofahrt Rtg
Tsetserleg
Jurtencamp
03 09.07. 104km Tsetserleg Auto

04 10.07.
Tsetserleg ethnolog.
Museum, Fahrt
ins Grüne, Fa-
milienfest

05 11.07. 127km Chuluut sum
Vorm. Naadam-
fest, Besuch
Nomadenfam.
Zelt
06 12.07. 108km Jargalant sum
(Bayankhon-
gor Aimak)
Auto, am Nach-
mittag
Zelt
07 13.07. 244km Ogoomor sum
(Zavkhan
Aimak)

Jurtencamp
08 14.07. 30km Argalant sum Kameltrekking
in der "Mongol
els" (Sanddüne)
Zelt
09 15.07. 30km Argalant sum
Kameltrekking Jurtencamp
10 16.07. 234km Dorvoljin sum-
Khar Us See
(Dorgon sum)
Beobachtung
der Wasservögel
Zelt
11 17.07. 134km Khovd sum
(Khovd Aimak)
Leben der ka-
sachischen No-
maden
Jurtencamp
12 18.07.
Khovd sum
Besuch einer kas.
Nomadenfam.
Zelt
13 19.07. 112km Mankhan sum Mankhan Tal steht
seit 1993 unter
Naturschutz. Sai-
gaantilopen. Fels-
zeichnungen
Jurtencamp
14 20.07. 220km Khokhmorit
sum (Gobi
Altai Aimak)
Chuisiin Gobi:
klass. Wüste, an
der Sanddüne Mon-
gol els
Zelt
15 21.07. 191km Taishir 2m hohe
Basaltsäulen
Zelt
16 22.07. 151km Biger See
in der Biger-Senke.
Saigaantilopen,
Wildesel, in den
Bergen Steinböcke,
Mufflons.
Jurtencamp
17 23.07. 142km Oase von
Zalkhui (am
Eej khairkhan Berg)
Sandsteinmassiv,
biz. Aushöhlungen,
Wasserfälle, Gobi-
Bären
Zelt
18
24.07.
do. do. Zelt
19 25.07. 200km Oase d. 100
Bäume (Bayan-
khongor Aimak)
flache Gobi mit
zahlreichen Quellen
u. Brunnen und
wechselnder Vege-
tation. Mit etwas
Glück sieht man
Kropfgazellen
Zelt
20 26.07.
do.
do.
Zelt
21 27.07. 216km Oase d. 100 Bäu-
me - Bayangobi
sum

Jurtencamp
22 28.07. 130km Orog See
Salzwassersee am
Rande einer Sand-
düne. Vogelbeob.
Zelt
23 29.07. 254km Baruuunbayan ulaan -
Bayangol sum (Süd-
khangai Aimak)
Taatsiin tsagaan
See - an einer Sand-Düne gelegener Gobi-See
Zelt
24
30.07. 224km Sum khokh burd - Baga - gadsriin chuluu (Mittelgobi Aimak)
Sum khokh burd= malerische Oase. Quellsee ein Paradies für Wasservögel. Übernachtung bei Granitformation, der zahlreiche Quellen entspringen
Jurtencamp
25 31.07. 260km Mutterfels (Zentralaimak)
Kraftfelsen, an dem die drei sehnlichsten Wünsche in Erfüllung gehen... Zelt
26
01.08. 105km Ulaanbaatar
zurück in der Hauptstadt
Guesthouse
27 02.08.
Ulaanbaatar
Choijin Lama Kloster-Museum, Folklore? Guesthouse
28
03.08
UB-Berlin Abflug back Europe

29
04.08

Berlin-Zürich
Back home

Heija-
Bettchen

Wer einen Monat so auf Reisen geht, sollte nicht auf der Flucht sein. Er sollte Lust haben auf einen Weg, auf ein Gehen, Wandern und Schreiten zu sich selbst. Er muss Stille ertragen können, ja er sollte sie begrüssen, wie einen Freund. Dann kann er in den weiten Landschaftszügen an Stelle bedrohender Leere und fehlender Fixpunkte am Horizont den Blick nach innen richten und die Erde spüren, auf der er steht.

Wir sind nicht so sehr bestimmt und gemacht durch die Linie, die wir uns selbst für unser eigenens Leben zum Horizont denken. Wir sind uns vielmehr nahe, wenn wir die tiefere Wirkung der Gravitation spüren, und sehen, dass unsere Spannung viel eher zwischen Erde und Himmel zustande kommt, da wo wir gleichsam verankert und aufgehängt sind und unser wirkliche Halt zu finden ist. Dann erst ist es uns möglich, die Weite einer Landschaft als Sinnbild für die unendlichen Möglichkeiten unseres Bewusstseins zu deuten.

Und wärend wir denken und uns herantasten, leben die Mongolen ihr Leben, und leben uns diese Mitte vor, wie ein glücklicheres Volk, das erst damit anfängt, sich von der Natur zu entfremden...

9.6.06 23:45


Zürich, 15.6.06

Während ich durch die Gegend holpere - noch ist der Fahrer ein Tramführer und nicht Onos Vater in der Mongolei - denke ich an Menschen, die mir viel bedeuten. Manchmal dient das Reisen auch dazu, die Menschen in Gedanken eng um sich zu gruppieren, die genau jetzt einen Gedanken wert sind. Menschen, denen man gerne zeigte, was die eigenen Augen sehen dürfen...

16.6.06 09:37



Ein paar Anschaffungen



Ganz langsam nähern wir uns auch gedanklich dem Start unserer Reise. Und wir haben ein paar ergänzende Anschaffungen getätigt.

Da diese Reise Nr. 21 unserer Fernreisen ist, nach einer kurzen Phase der "Häuslichkeit" aber sicher nicht die letzte, wir also in den kommenden Jahren vermehrt unterwegs sein wollen, hat jede überlegte Investition den süssen Geschmack der Nachhaltigkeit in der Pflege einer schönen, wichtigen Leidenschaft, die mich und meine Frau verbindet: Das Reisen in fernen Ländern und nahe der Natur.

Also haben wir erstanden: Einen sog. SteriPEN, ein Gerät zur Wasserentkeimung mittels UV-Licht und einen Sunbag "S", einen kleinen Solarzellen-Akku, der es mir ermöglichen soll, auch ohne Strom kleine elektrische Verbraucher funktionstüchtig zu halten. Wir werden sehen...

Solartechnik ist noch nicht durchwegs ausgereift und vor allem wollte ich (noch) nicht grosse Panels mitschleppen. Schliesslich gehe ich "auf einen Sprung" auf Reisen - und da soll erst recht das SEIN vor Ort immer wichtiger sein als die Verbindung zu zuhause. Ich will die Verbindung am Ort, Verbindung mit mir selbst ins Zentrum stellen. Gleichzeitig aber suche ich auch nach Möglichkeiten, unabhängig zu sein und vor allem auch die natürliche Energie zu nutzen - ohne Schäden für die Umwelt.
So wie es aussieht, funktioniert das Solarpanel - zumindest für Verbraucher wie Handys tadellos. Weitere Tests folgen...

18.6.06 14:49



Reisegepäck, so nötig...



Ich freue mich auf die Ruhe. Jetzt bin ich ein bisschen angespannt. Das immer gleiche Spiel wird gespielt. Werden wir richtig ausgerüstet sein? Wie soll ich mit so wenig Gepäck auskommen? Wird alles klappen? Werden wir alle Ansprechpersonen antreffen und "uns finden"?

Und dann ist alles anders und leicht und die sich ausbreitende Landschaft so sanft und ruhig, dass Du davon erfasst wirst und alles abfällt.

Mir kommt in den Sinn, was jeder beobachten kann, wenn er auf Reisen geht. Wir schleppen Koffer herum mit tausend wichtigen Dingen. Am Ende kommt der Fahrer und stellt eine kleine Tasche in den Kofferraum. Das ist alles, was er mit hat. Ein besserer Kulturbeutel ist das für uns.

Der arme Kerl hat nicht mehr. Mag sein. Aber er hat den Blick und das Wissen, hierher zu gehören und die Erfahrung, dass für alles gesorgt ist. Er braucht nicht mehr. Während wir Tage damit verbringen, alles zusammen zu suchen, trinkt er mit Kollegen ein Glas und tauscht Neuigkeiten aus, sammelt Wünsche betreffend Nachrichten, die eingeholt werden oder überbracht werden sollen. Er ist länger da als ich und geht leichter auf Reisen als ich.

Und er wird ankommen. Und mir dabei helfen.

20.6.06 18:58


Last oder Lust

Wenn Du eine Reise machst, die Du gebucht
hast, dann kannst Du beim Gedanken, etwas
Wichtiges zu vergessen, irgendwann den
Gedanken verscheuchen und Dir sagen:
"Was soll's? Notfalls gibt's Hilfe vor Ort."
Hier aber behindere ich mit jeder Unzulaenglichkeit
meine Freunde. Es droht mir, dass ich andere
behindere.
Genau das gehoert wohl zu dieser Phase.
Genau so wie die endlich Fuss fassende Erkenntnis,
dass es eben Freunde sind, die diese Reise
mitmachen, und darum nichts von alledem
fuer sie je ein Thema sein koennte. Darum
reise ich ja mit Ihnen - und auch, weil ich es genau
so habe und dieses Denken aus den Koepfen
der Freunde sofort verscheuchen moechte.
Wir werden es gut haben, und unseren so
unalltaeglichen Alltag zu organisieren und zu teilen
wissen.

 

23.6.06 13:31



Etwas mehr Abschied als auch schon



Die Reise ist nicht wirklich gefährlich. Und doch ist da ein kleiner Respekt eines von der Zivilsation der Natur entfremdeten Menschen, der ja genau deswegen diese Reise macht: Um sich der Natur zu nähern und damit sich selbst.  

Das Gefühl, dass die Natur mir ein bestimmtes Verhalten auferlegt, damit ich mich in ihr aufhalten kann, sie spüren und erleben darf, das Erkennen von Regeln, die für mich gemacht sind und nicht von mir oder der menschlichen Gesellschaft: Das ist ja genau mit das, was ich suche. Und jene Regeln, die unter Mongolen gelten, machen aus der gleichen Ausgangslage heraus Sinn.
Die Natur kann ihre eigenen Regeln noch zu erkennen geben, weil die Menschen da (noch) Nutzniesser und Verwalter natürlicher Ressourcen sind und entfremdende Technik noch nicht den Blick zum Himmel verstellt und den Tritt auf die Erde nicht unnötig macht.

Und dann gibt es hier Einsamkeit. In einem so riesigen Land leben drei Millionen Menschen. Da ist Respekt vor der Ödnis angesagt, aber auch Vorfreude: Stille und ruhige Tagesabläufe, kleine Freuden, die grosse Sensationen sind: Ich freue mich auf die Bescheidenheit im besonders Einfachen, und auf die neue Farbigkeit meines Sehens.

Zuerst aber kommt der Aufbruch und zuvor der leicht mulmige Druck im Magen. Und ich ertappe mich dabei, wie ich ein paar Mails schreibe, in denen ich Menschen sage, dass ich sie gern habe. Man weiss ja nie...

Auch das ist wirkliches Leben: Das Gefühl nicht verlieren, dass jeder Moment und jede Begegnung einmalig ist und plötzlich noch viel einnmaliger sein kann...

27.6.06 19:59





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung