Mongolei - Weite und Tiefe


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Eine Übersicht der Rückreise



Für jene, die einen Überblick über die Phasen unserer turbulenten Rückkehr wünschen, nicht zuletzt für Reiseleiter oder einzelne selbst Betroffene, die mich zum Teil auf das Blog angesprochen haben, und für alle sonst Interessierten, habe ich mich bemüht, hier nochmals die Fakten an einander zu bringen, inklusive der Erklärung des Piloten auf dem Rückflug (der nicht jener war, der die vier Tage schon vor Ort war):

Zusammenfassung der Ereignisse um den MIAT-Flug
OM 135 am 4.8. bis 7.8.06


Als wir schliesslich am Abend des 7. August in Ulaan-Baatar gestartet waren, meldete sich der Pilot über Lautsprecher, dankte uns für die erwiesene Geduld, bedauerte die Geschehnisse der letzten vier Tage und fasste diese wie folgt zusammen:

Blue Panorama stellte vor dem Abflug in Mailand (OM 136 Mailand - Berlin - Ulaan-Baatar)
ein Problem mit der Heckturbine des Flugzeugs fest. Das Aggregat wird zwar für den Flug nicht gebraucht, aber u.a. für den Start der anderen Turbinen eingesetzt. Die zweite Variante, diese zu starten, bedingt den Einsatz eines Gerätes, das ähnlich wie ein Kompressor funktioniert. Auf die Anfrage in Ulaan-Baatar, ob ein solches Gerät vorhanden und einsatzbereit wäre, erhielt man per Fax positive Antwort, worauf der Start nach Berlin und der Weiterflug nach Ulaan-Baatar erfolgte.

Die Crew, die das Flugzeug in UB am 4.8.06 neu übernahm, stellte dann fest, dass das angeforderte Gerät mit der Turbine nicht optimal kompatibel war und dadurch nicht genug Druck aufgebaut werden konnte. Total soll ein Start viermal versucht worden sein. Danach musste das Gerät, das Pressluft in einem Tank sammelt, neu "aufgetankt" werden, was bis zu sechs Stunden dauern kann. Ein Ersatzgerät konnte nicht beschafft werden.

Am zweiten Tag (Samstag) wurden alle Maschinen vor der unseren abgefertigt, worauf das diesmal eingesetzte Gerät leer war und erneut aufgeladen werden musste.

Die Techniker versuchten darauf, zuerst nur eine Turbine zu starten und mit dieser dann die zweite in Gang zu setzen - ein solcher Versuch misslang aber am Nachmittag des zweiten Tages.

Am Montag hätten Seiten- und danach Rückenwinde, verbunden mit schlechter Thermik, also zu grosser Hitze in dieser Höhe, den Start immer wieder verhindert.

Unsere eigene Wahrnehmung der Abreise beruht auf folgenden Geschehnissen:

Unsere Tickets waren für die Flugnummer OM135 am Freitag ausgestellt. Aus dem Ticket ging damit in keiner Art und Weise hervor, dass es sich faktisch um einen Flug mit Codesharing handelt, der nach internationaler Usanz für den Kunden sichtbar entsprechend ausgezeichnet werden müsste, also mit der zus. Verwendung des für Blue Panorama gültigen Kürzels. Die Abflugzeit auf den Tickets war mit 09h05 angegeben. Wie das üblich ist, mussten die Tickets per Telefonanruf bei der MIAT im voraus bestätigt werden. Dabei erfuhren wir, dass der Abflug um 6h55 erfolgen würde. Andere hatten diese Information nicht: Wäre der Flug pünktlich gestartet, hätte eine ganze Reisegruppe den Flug verpasst. Für diese Touristen ging am Telefon die Information schlicht verloren.

Die Passagiere waren aufgefordert worden, um 05h00 zum Einchecken zu erscheinen.
Wir selbst hatten unser Gepäck um ca. 05h45 eingecheckt und vor sechs in der Wartehalle vor dem Gate Platz genommen. Relativ bald erfolgte die erste Meldung über Lautsprecher, dass der Abflug verspätet erfolgen würde. Die neue Abflugzeit wurde den ganzen Tag hindurch im Abstand von 90 bis 120 Minuten nach hinten verschoben.
Als Grund dafür wurden stets "technische Gründe" genannt.
Am frühen Nachmittag war für die ersten Anschlussflüge klar, dass diese verpasst werden würden, und es erschien auch eine MIAT-Mitarbeiterin, der man die entsprechenden Daten nennen konnte.
Am späten Nachmittag erschien die MIAT-Angestellte wieder, diesmal mit einer Passagierliste mit siebzig Namen: Jenen, die hier bleiben sollten, während für den Rest ein Boarding begann. Nach welchen Kriterien die Siebzig zurück gelassen wurden, wissen diese bis heute nicht.

Wir anderen befanden uns danach für etwa zwei Stunden in der Maschine und trafen auf eine sichtlich nervöse und selbst genervte Besatzung die ganz eindeutig selbst wünschte, endlich abheben zu können. Eine klare Begründung, weshalb ein Flug unter den gegebenen Umständen mit 2/3 der Passagiere möglich sein würde, war nicht zu erhalten. Die Crew wollte nichts sagen oder blieb in den Aussagen sehr indifferent. Den Piloten hatten wir weder im Flugzeug noch am Gate den Tag über gesehen.
Ein Auftanken der Maschine wurde an diesem Tag von keinem von mir danach befragten Passagiere festgestellt.

Nach zwei Stunden erhielten wir die Meldung, die MIAT lehne eine Starterlaubnis ab. Sie verlange, dass mit allen Passagieren geflogen werde oder gar nicht.

Im zweiten Stock über der Abfertigungshalle trafen wir die Siebzig Zurückgelassenen wieder. Diese hatten in der Zwischenzeit zwar erfahren, dass es für sie erst am Montag weiter gehen sollte. Trotzdem waren sie noch immer am Flughafen und hatten noch keine Hotels. Das Abendessen wurde von MIAT vor einer leeren und blank geputzten Kantinenküche serviert

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und war Teil 2 der Bordverköstigung aus dem Flugzeug. Teil 1 hatte es tagsüber neben Getränken am Gate gegeben.
Immerhin war nun eine Angestellte der deutschen Botschaft vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Doch die Aussage ist klar: Solange es nur ein technisches Problem ist... und die MIAT arbeite "professionell".

Wir assen also zum Teil auf abgedeckten Billardtischen

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oder am Boden zu Abend, entweder weil zu wenig Platz war oder keine Lust bestand, die unappetitlichen Schlachtfelder vorheriger Kostgänger selbst abzuräumen. Was solls, die flugsichere Verpackung der erlesenen Speisen erlaubte auch ein Essen auf Knien.

Um elf Uhr nachts befanden auch wir uns im Hotel. Unser Transferbus hatte auch mongolische Passagiere mit, die in einen heftigen Disput mit dem mitfahrenden MIAT-Angestellten gerieten, da dieser vorschlug, die Mongolen sollten doch bei den Verwandten übernachten, statt ein Hotelzimmer zu beanspruchen. Dass die Hotels nicht für alle gleich sein konnten in dieser Situation, ist völlig klar, deshalb will ich das hier auch nicht weiter thematisieren.

Tagwache am Samstag, 5.8.06, war um vier Uhr. Um 5h30 standen wir wieder zum Abflug bereit (von der MIAT zum Flughafen gefahren) da das Gepäck am Vortag nicht ausgecheckt worden war. Warum dies ohne Einchecken für einen planmässigen Flug um sieben notwendig war, weiss ich nicht.

Das gleiche Spiel. Die pünktliche Ansage der Verspätung wegen technischer Probleme.
Dann steigen wir wieder ein, diesmal alle. Doch es gibt keinen Start. Die Turbinen bleiben klamm. Der Kompressor soll zuwenig Reserve haben - er ist leer. Wir schauen uns im vollen Flugzeug an und fragen uns stumm alle das Gleiche: Warum waren wir, mit unserer frühen Abflugzeit, so spät dran? Das Aufladen wird dauern, vier bis sieben Stunden, sagt man. Man überlege weiter.

An diesem Tag allerdings bekommen wir endlich Besuch. Ein Manager der Flughafenverwaltung kann organisiert werden, sein Chef allerdings ist leider unabkömmlich. Es ist Samstag, wissen Sie.
Zwei Passagiere haben gesundheitliche Probleme und brauchten Medikamente aus dem eingecheckten Gepäck. Der Wunsch nach einem Arzt oder wenigstens diesen Medikamenten bleibt unerfüllt, bis der Captain erscheint, so gegen eins, nachdem er dazu richtiggehend von Passagieren genötigt wird. Er erklärt, dass am ersten Tag der Bordcomputer ausgefallen wäre und heute der Kompressor nach dem Start vieler anderer Maschinen leer wäre und nun neu aufgeladen werden müsste. Man arbeite aber an dem Problem.
Dass uns jegliche nähren Informationen fehlen und das Essen so ist wie es ist, bestürzt ihn zutiefst und ist ihm völlig neu.

Wir kommen im Fernsehen. In den Nachrichten erscheint ein Bericht über die Maschine, mit einem Hinweis auf die miserable Bilanz des Deals zwischen Blue Panorama und MIAT, aus dem die mongolische Seite einen Verlust von 3 Mia Tugrik erwartet (3 Mio Franken).

Später bringen Reiseleiter in Erfahrung, dass nun versucht werden soll, nur eine Turbine zu starten und mit deren Kraft danach die zweite, dann sollte die erste Turbine wieder abgeschaltet werden, wir sollten einsteigen, und dann die zweite Turbine erneut angeworfen werden und das Flugzeug starten. Ein solcher Versuch kann von einem flugtechnisch bewanderten Passagier auch beobachtet werden. Er bringt aber schlechte Kunde. Es hat nicht geklappt, die erste Turbine allein anzulassen.

Wie es nun weiter gehen soll, bleibt vorerst unklar. Denn morgen wird es keine Möglichkeit für einen Flug geben. Ausweichrouten werden diskutiert, mehr von uns, denn von MIAT vorgeschlagen. Es gibt zwar einen Angestellten, der fragt, wer Ausweichrouten über Moskau und Peking benutzen möchte, worauf alle die Hand erheben. Sie werden sie wieder nach unten nehmen, wenn sie mehr wissen. Zum Glück sind genügend erfahrene Touristen unterwegs, denn von der MIAT sind entsprechende Klärungen nicht zu erhalten.

Dies alles geschieht noch ohne die Einrichtung eines Desk, an dem allfällige Varianten auch gecheckt werden könnten.
Dann endlich werden wir in die Abfertigungshalle geführt, wo sich eine erfahrene, willige Angestellte daran macht, die Buchungen anzubieten.
Einige wählen Varianten über Seoul, andere diskutieren über Flüge via Moskau oder Peking. Die sind alle kein Problem, wenn Anschlussflüge garantiert sind. Das ist aber nicht so, und es gibt gar Reisende, die unterschreiben müssen, dass sie für die Regelung des Weiterflugs ab einer dieser Destinationen keine Ansprüche an die MIAT stellen. Vereinzelte Reisegruppen mit entsprechender Unterstützung von ihrem Backoffice wählen solche Routen. Für alle und v.a. für alle Einzelreisenden stellt sich die Frage:
Muss in Moskau allenfalls der Flughafen gewechselt werden? Wie soll das ohne Visa gehen?
In Peking ohne Visa auf einen Anschlussflug spekulieren ist auch nicht das gelbe vom Ei...
Fragen dieser Art können am Desk auch nicht beantwortet werden, auch nicht, ob beim Flug X in Moskau für den Weiterflug nach Frankfurt der Flughafen gewechselt werden muss?
Unser Vertrauen ist auch nicht so, dass wir einer solchen Auskunft noch was glauben würden.

Wir entscheiden uns für die Variante eines regulären MIAT-Fluges, den es am Montag wieder geben wird. Wir wissen zwar, dass der wieder mit Blue Panorama bestritten wird, aber mit einer anderen Maschine. Ich will einen Tag Pause und kann so sicherstellen, dass die MIAT auch gleich die Anschlussflüge bucht. Für diese Variante habe ich alle Informationen, die ich mir wünsche. Von Moskau habe ich von früheren Erlebnissen die Nase voll und Peking ohne Visa und Anschlussflug ist mir auch kein zusätzliches Abenteuer wert.

Ich sehe dann auch, dass die fleissige Dame etwas in einen computer eintippt. Nur bekommen wir merkwürdigerweise keine Bestätigung für unsere Buchung. Kein Stück Papier. Auch dreimaliges nachfragen über Ono bleibt erfolglos. Wir müssten am Sonntag ins MIAT-Büro in der Stadt kommen und die Bestätigungen da abholen. Andere haben danach im Bus aber genau diese Bestätigung schon in der Hand...

Dann eben im Bus Richtung Hotel: Die MIAT-Begleiterin hat eine Liste mit unseren Namen und dahinter steht: PALACE-Hotel. Das ist gut. Ich brauche keinen Palast, keinen Luxus, aber endlich mal wieder duschen wäre schon schön. Das Gepäck haben wir auch wieder, und dazu ist das Hotel in der Innenstadt und also nicht so weit vom MIAT-Büro.
Gefahren werden wir allerdings woanders hin und ich merke sehr schnell, dass es ans gleiche Ort geht wie gestern: Das Hotel Nukht. Na, der Bus ist recht gross, und vielleicht haben ja nicht alle das gleiche Hotel?
Der Bus hält, und die MIAT-Frau lässt übersetzen:
Das Palace-Hotel ist überbucht.
Aber wir brauchen kein Hotel. Gar keines.
Denn es gibt Chancen, dass in einer guten Stunde doch geflogen werden kann.
Ersatzteile sind eingetroffen und werden eingebaut.
Wir sollen nun da essen und dann wieder zum Flughafen gefahren werden.

Wir sind es so leid.
Etwa sechs Passagiere proben den Aufstand, laden ihr Gepäck nicht aus und bleiben am Ende sitzen. Sie wollen in ein Hotel der entsprechenden Klasse gefahren werden, und das ist noch das Wenigste. Polizei und Anwalt - es werden Kriegsschauplätze eröffnet. Der Rest steigt aus, samt Gepäck, und als Thinkabouts Wife zum Bus rennt, um ihre Sachen in den Bus zu legen und sich die Option Innenstadt offen zu halten, hat sie stattdessen gerade noch Zeit, den Rucksack, der im Bus geblieben ist, rauszureissen, bevor der Bus die Türen schliesst und davon braust.

Natürlich gibt es keine Rückkehr zum Flughafen.
Natürlich gibt es für uns hier Hotelzimmer.
Es ging nur darum, etwas Stress zu machen, so dass am Ende alle mit dem angebotenen Hotelzimmer "zufrieden" sind.

Am Sonntag wird Ono von Ihrem Vater in die Stadt gefahren, und beim Mittagessen erhalte ich die erlösende SMS: Buchung für Montag bestätigt, Anschlussflug okay.
Hätte ich ein Fässchen gehabt, ich hätte es aufgemacht. Stattdessen freute ich mich ganz herzlich am Teebeutel, den man einzeln an der Theke der "Bar" verlangen konnte.

Wir bewohnen ab diesem Nachmittag eine Suite, nachdem wir unsere ursprünglichen Zimmer wegen 100 Japanern räumen mussten, die partout alle neben einander schlafen wollten. Das lasse ich mir ja gefallen...Es ist dann Sonntagabend, elf Uhr, als Ono mit traurigem Gesicht ins Zimmer kommt.

MIAT hat mitgeteilt, dass wir am morgen nicht wie geplant abgeholt würden. Die Italiener wären in Mailand noch gar nicht gestartet. Wir schauen uns an. Ich habe das dringende Bedürfnis, mit der Reiseversicherungsgesellschaft zu reden und mit einem Freund. Ich brauche Unterstützung, und ich kriege sie. R. hält mich per SMS über den Stand des Fluges OM136 auf dem Laufenden, und als die Maschine wenig später Mailand verlässt und kurz vor drei Uhr in der Nacht nach unserer lokalen Zeit auch in Berlin startet, bin ich beruhigt.

Am Montag werde ich um zehn vor acht aus dem Bett gerissen. MIAT wäre in zehn Minuten da und würde uns abholen. Wir stehen erst mal auf und frühstücken.
MIAT kommt dann um 8h45, und wie gesagt, das reicht auch locker.
Auf dem Flughafen heisst es zuerst, wir müssten gar nicht erst einchecken, vor 15h00 würde der Flug nicht starten.
Wir drängen uns rein und sind innert einer Viertelstunde eingecheckt. Sie drängen uns regelrecht nach vorn, da sie auf jeden Fall die seit Freitag Wartenden auf der Maschine haben.
Erst haben wir Plätze, bei denen wir nicht bei einander sitzen. Das wollen wir nicht. Es geht nicht anders. Dann geht es doch. Wir kriegen neue Bordkarten. Die alten interessieren niemanden mehr. Aber ich habe sie noch in der Hand und könnte damit davon laufen. Ich muss der Angestellten hinterher laufen und sie ihr zurück geben...

Schnell wird klar, sie wollen zwei Maschinen starten lassen - die neu kommende und die schon da liegende.

Dann beginnt das Warten wieder. Und dann kommt die Durchsage: Zuviel Seitenwind.
Dann zuviel Rückenwind.
Andere Maschinen starten derweil.
In der Zeitung sind wir Frontthema mit grossem Foto der Maschine auf dem Rollfeld und mit grossem Artikel im zweiten Bund.
Das Gefühl, als die Maschine weg geschoben wird: So flau wie jeweils beim Aussteigen, wenn die Starterlaubnis fehlte oder was auch immer...

Plötzlich meldet sich ein Herr bei mir. Ob er meine Blogadresse haben könne? Für das Zusammenfassen der Ereignisse. Die Herren sind zu zweit und vom WDR. Er notiert sich meine Adresse und Eindrücke und bringt sie mit jenen eines Passagiers zusammen, der unsere gemeinsamen Erfahrungen noch mit eigenem Wissen als Privatpilot verbinden kann. Es wird ein Interview mit ihm gemacht, und vor allem: Es wird gefilmt. Die Beiden sind zufällig auch auf diesen Flug geraten und haben die Kamera dabei. Sie können das Material zwar nicht senden, aber ein Radiobeitrag per Handy wird vorbereitet.
Um sechzehn Uhr sind plötzlich die Internetverbindungen in der Business-Lounge und im Internet-Corner gekappt. Die Angestellte lässt sich entlocken, dass die Anordnung von ihrem Chef kommt.

Wann immer nun ein offizielles Gesicht auftaucht, hat es die Kamera im Gesicht. Schon weil der Kameramann sein grosses Mikro nicht im Handgepäck hat, muss er so nahe ran, aber ich denke, das ist auch sonst ganz gut so. Und es taucht das Gesicht des Managers auf, jetzt immer öfter, und schliesslich präsentiert er uns freudestrahlend die Nachricht, der Wind würde nachlassen. Und das Überflugrecht für die Sowjetunion, das vorher für den Nachmittag fehlte (warum denn, wenn ab 15 Uhr ein zweiter Flug geplant war?), wäre nun auch da.

Vor sieben zieht die Crew an uns vorbei. Viele klatschen. Die meisten stumm. Nicht wenige haben Tränen in den Augen. Dann stehen wir in der Schlange zum Boarden, deutsche Pfadfinder vor und hinter uns singen:
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.
Ich lache laut, nervös. Die halbe Stunde im Flugzeug, als der Pilot sagt, man warte nur noch auf die Starterlaubnis, gehört zu den längeren meines Lebens...


_____

Dies ist die Aufzählung der Fakten.
Je nach Sichtweise kann man die Version rein technischer Probleme hinnehmen, oder sich zu wundern beginnen,
z.B. anhand der
- sich widersprechenden Aussagen der beiden Piloten
- des Tankens oder Nicht-Betankens der Flugzeuge
- der Separierung der Passagiere und der nachfolgenden Begründung, nur alle gemeinsam fliegen zu lassen
- der Desinformation der Passagiere, zum Teil gezielt oder im Auftrag

Für uns war die ganze Atmosphäre geladen von Spannungen zwischen zwei Vertragspartnern, die in einer gegenseitigen Unzufriedenheit zu einander standen und zwischen denen wir zum Pfand oder Trumpf für die einen und zum Ballast für die andern wurden, wobei bis zum Schluss spekuliert werden konnte, wer nun zu den Bösen und wer zu den Guten gehören mochte?

Der Umgang mit Presse und Öffentlichkeit war in jeder Phase höchst verkrampft. Auch der lokalen Presse wurde der Kontakt zu Passagieren so schwer wie möglich gemacht.

________

Nachtrag vom 13. August 2006 20h44:
Ich habe heute von einem Leidensgenossen eine e-mail bekommen, die ich in der Folge als weitere Darstellung der Ereignisse rund um den lange verhinderten Rückflug hier wiedergeben möchte. Da die Kommentarfunktion zum jetztigen Zeitpunkt noch immer Probleme macht, erfolgt die Veröffentlichung als Anhang zu meinem Eintrag:

Hallo Thinkabout,

wir haben uns im Terminal in Ulaan Baatar (UB) irgendwann am dritten oder vierten Tag kennengelernt. Dein Bericht ist sehr vollstaendig. Aber durch die staendige Zerlegung der Reisenden in Gruppen und Untergruppen haben sich eine ganze Reihe von Unterschieden in den Details der vier Tage (fuer mich fuenf Tage) ergeben. Ich moechte daher hier nur auf die Unterschiede zu Deiner Beschreibung ergaenzend eingehen.


Vorab, wir waren Privatreisende, die nicht zu einer der Reisegruppen gehoerten, sondern auf Einladung der Universitaet UB mit Freunden an einer Expedition in den Altai teilgenommen haben. Von unserer Reisegemeinschaft waren zunaechst fuenf, spaeter ab Montag acht Passagiere involviert.


(1) Meine Reisedaten

Bestaetigte Fluege OM 135 von UB nach Berlin: Freitag, 04.08.2006, 06:55 (UB time)

Geplante Ankunft in Berlin: Freitag, 04.08.2006, 08:40 (MEZ)

Gebuchte Weiterreise ICE 1008, geplante Ankunft in Hamburg: Freitag, 04.08.2006, 13:51 (MEZ)

Geplante Weiterreise nach Muenster|Westf.: Freitag, 04.08.2006, 17:17 (MEZ)


Tatsaechlicher Abflug OM 135 von UB nach Berlin: 07.08.2006, Boarding 19:45 (UB time)

Ankunft in Berlin: 07.08.2006, Gepaeckausgabe 22:20 (MEZ)

Weiterfahrt und Ankunft in Hamburg: 08.08.2006, 13:51


Fuer mich ergaben sich so 5 Tage Verspaetung, bzw. Ausfall von zwei vollen Arbeitstagen. Auf den Tickets war nicht angegeben, dass es sich um einen Codeshare-Flug mit Blue Panorama nach Mailand handelte.


(2) Ereignisse zwischen dem 04.08.2006 und 08.08.2006


(2.1) Freitag, 04.08.2006

Am Freitag kamen wir, meine Partnerin, drei Freunde und ich, wie von MIAT bei der Bestaetigung des Fluges gewuenscht um 04:50 am Flughafen an und konnten gegen 06:30 einchecken. Gegen 07:00 wurde uns erstmals mitgeteilt, dass die Maschine Verspaetung hat, da sie noch nicht aus Berlin eingetroffen ist. Gegen 11:00 wurde uns mitgeteilt, dass sich der Abflug wegen eines technischen Defektes auf gegen 14:00 verschiebt. Gegen 14:30 wurde uns mitgeteilt, dass sich der Abflug auf ca. 16:30 wegen technischer Gruende verschiebt. Die MIAT hatte gegen Mittag Softdrinks und Schokoriegel gegen Vorlage des Boardingpasses rationiert verteilen lassen. Es wurde der Start gegen 17:00 angekuendigt. Gegen 16:40 wurde eine Liste bekannt von Personen, die nicht mitfliegen koennen. Es gab keine Auskuenfte, keine Ansprechpartner. Von unseren fuenf Personen waren meine Partnerin und ich auf der Liste, unsere drei Freunde konnten boarden. Hierbei gab es viel Verwirrung, da die Trennung des Gepaecks noch nicht erfolgt war (es wurde auf dem Vorfeld herumgeworfen), Ehepaare und Gruppen auseinander gerissen wurden und einige zu tauschen versuchten. Die „Zurueckbleibenden“ wurden im Bereich hinter der Sicherheitskontrolle zusammengedraengt. Auskuenfte, Getraenke, Lebensmittel etc. gab es zu diesem Zeitpunkt nicht (auch die Geschaefte im Terminal schlossen bereits). Es wurden keine Gruende angegeben warum man zurueckbleiben musste und wird dies nach welchen Kriterien entschieden hatte. Es wurden Versuche gemacht, die Botschaft zu erreichen. Die Stimmung unter den Zurueckgebliebenen drohte zu eskalieren. Von der MIAT und dem Flughafen-Personal waren nur noch die Sicherheitskraefte anwesend. Gegen 19:00 kam eine Vertreterin der Botschaft (Frau Schell). Sie hatte Bereitschaftsdienst, der Botschafter war bereits im Wochenende. Frau Schell organisierte, dass alle Zurueckgebliebenen in den Kantinenbereich gefuehrt wurden, um etwas zu essen und zu trinken zu bekommen. Dabei mussten wir durch die Passkontrolle und die Ausreisestempel wurden entwertet (jedoch keine erneute Einreise in die Mongolei!). Mit einer Mitarbeiterin pruefte Frau Schell die Visa. Wir erhielten derweilen abgepackte Esspakete aus der Flugzeugverpflegung. Gegen 20:00 kamen unerwartet diejenigen Passagiere in den Raum, die nachmittags das Flugzeug bestiegen hatten. Der Raum wurde zu klein, es gab nicht mehr ausreichend Sitzplaetze und nicht mehr ausreichend Getraenke. Gegen 22:40 erfuhren wir, dass wir alle in Hotels gebracht werden und dass der Flug am Samstag wie geplant durchgefuehrt wird. Wie wir spaeter erfuhren, buchten einige Passagiere bereits an diesem Abend um und flogen mit anderen Airlines weg. Ohne Gepaeck erreichten wir unser Hotel gegen 24:00.

(2.2) Samstag, 05.08.2006

Am Samstag wurden wir um 03:30 geweckt, damit wir um 04:30 abfahrend rechtzeitig um

05:30 am Flughafen sind. Am Flughafen stellten wir fest, dass wiederum alle anderen Morgenfluege vor uns abgefertigt wurden. Da unser Gepaeck nicht ausgehaendigt worden war mussten wir auch nicht neu einchecken. Im Terminalbereich erfuhren wir gegen 08:00 erstmalig, dass der Flug wiederum aus technischen Gruenden verspaetet sei. Gegen 09:00 wurde geboardet. Die Maschinen des Flugzeuges liessen sich nicht starten. Gegen 09:45 gingen alle Passagiere wieder in die Terminalhalle. Als neue Abflugzeit wurde 14:00 angekuendigt. Ansprechpartner des MIAT Managements gab es nicht. Es wurden aber wieder Getraenke und Schokoriegel verteilt. Da alle andere Fluege vor uns abgefertigt worden waren, befanden sich im Terminalbereich nur die Reisenden des Fluges OM 135 und Sicherheitspersonal sowie die Angestellten der Zoll-frei- und Imbiss-Geschaefte. Immerhin liess sich an diesem Tag ein Manager haeufiger sehen, der aber offenbar keinerlei Entscheidungsgewalt hatte. Die Anfrage einer sehr alten Dame nach aerztlicher Hilfe wurde unwirsch durch einfach Weitergehen des MIAT Ansprechpartners abgetan. Gegen 12:30 wurde mitgeteilt, es gaebe Probleme mit der Start der Triebwerke, man wuerde versuchen, erstmal eins zum Laufen zu bekommen, und der Start verzoegere sich wahrscheinlich auf 16:30. Diese Erklaerung wurde vom italienischen Kapitaen des Fluges abgegeben. Danach gab es als Mittagessen wieder Bordverpflegung vom Flugzeug. Am Nachmittag wurde versucht, von den Mitarbeitern der MIAT konkrete Auskuenfte zu erhalten. Dies war jedoch nicht moeglich. Fragen, warum keine Ersatzmaschine oder kein Ersatzgenerator beschafft wird, wurden nicht, bzw. Nur mit einem Grinsen beantwortet. Am Nachmittag konnte die Maschine ebenfalls nicht gestartet werden. Gegen 16:45 wurde uns mitgeteilt, dass es keinen weiteren Startversuch geben wird, wir eine weitere Nacht in UB bleiben muessen und dass Busse bereitgestellt werden. Einen Hinweis auf Umbuchungsmoeglichkeiten gab es nicht, jedoch bemerkten wir, dass einige versuchten in der Abfertigungshalle umzubuchen. Einige Reisende hatten bereits im Laufe des Tages umgebucht, andere taten dies am Abend. Es waren z.T. noch Plaetze nach Seoul, Beijing oder Moscow verfuegbar, jedoch gab es keine gesicherten Anschlussfluege und es gab keine Visa. Wir entschlossen uns daher, auf den moeglichen Start des Flugzeugs am Sonntag morgen zu warten. Die MIAT gab keine Moeglichkeit, einen Desk aufzusuchen oder zu telefonieren (unser Telefon hatte schon keinen Strom mehr, da aus Gewichtsgruenden das Ladegeraet im aufgegebenen Gepaeck war). Gegen 17:45 erfuhren wir jedoch, dass ein Flug wahrscheinlich erst am Montag, dem 07.08.2006 moeglich sein wird. Sicherheitshalber buchten wir auf die Flug und erhielten eine vom Computer ausgedruckte Buchungsbestaetigung fuer 06:55. Am Counter schrieben wir uns auf die Liste fuer die Uebernachtung im Palace-Hotel im Zentrum von UB ein. Das Hotel liegt in der Naehe der Wohnung von Freunden von uns und wir hofften diese am Sonntag abend noch treffen zu koennen. Gegen 18:30 fuhren wir mit unserem Gepaeck vom Flughafen ab. Anstatt in die Stadt zu fahren bog der Bus nach kurzer Fahrt in ein Tal ab und hielt vor einem verwahrlosten Hotel mitten in der Landschaft. Es wurde uns mitgeteilt, wir braeuchten keine Hotelzimmer da wir hier nur zum Essen halten und dann wieder zum Flughafen fahren, weil die Maschine doch noch startet. Wir wurden aber auch aufgefordert, zum Essen unser Gepaeck mitzunehmen, was uns stutzig machte. Unsere Fuenfergemeinschaft und drei mongolische Mitreisende weigerten sich auszusteigen und bestanden darauf, in das zugesagte Hotel Palace gefahren zu werden. Nach harten Diskussionen und Drohungen, die begleitende Dame der MIAT telefonierte mehrfach wohl mit ihren Vorgesetzten, wurden wir dann auch in die Stadt gefahren (eine Frau, die noch zusteigen wollte, da sie am naechsten Tag ins MIAT-Bureau in der Stadt kommen sollte, wurde einfach stehengelassen). Im Palace waren schon mehre Gruppen von Passagieren unseres Fluges angekommen. Fuer uns fuenf fehlte ein Zimmer, so dass unsere Mitreisende in ein nahegelegenes Hotel ausweichen musste (das sie dann auch selbst bezahlen durfte …. Abendessen organisierten wir selbst im Hotel so dass wir gegen 23:00 diesmal zur Nachruhe kamen.

(2.3) Sonntag, 06.08.2006

Am Sonntag morgen standen wir relativ frueh auf, trafen uns mit unserer Mitreisenden und hatten beim Fruehstueck Gelegenheit auch mit dem italienischen Flugkapitaen zu sprechen, der ueber die Verhaeltnisse in UB und das Verhalten der MIAT sehr genervt war. Er teilte uns mit, es werde entweder ein grosses Flugzeug Montag morgen geben oder es muessten halt zwei kleinere fliegen, da man ja auch die planmaessig fuer Montag gebuchten Passagiere mitnehmen muesse. Er berichtete ferner, dass am Vorabend nach 16:30 keine Versuche mehr gegeben habe die Maschine zu starten und dass er sich die anderslautenden Auskuenfte der MIAT nicht erklaeren koenne – ausser man wolle die Passagiere fuer dumm verkaufen. Da im Hotel keine Auskunft ueber die Abflugzeit einer oder zweier Maschinen am Montag zu erhalten war fuhren wir auf Empfehlung des MIAT-Bueros Berlin per Taxi in die Stadt um im MIAT-Zentralbuero unsere Abflugzeit zu ermitteln (noch mal zum Flughafen wollten wir nicht …. Wir erhielten keine verbindliche Auskunft. Zwei von uns fuhren daher wieder ins Hotel wo um 12:30 MIAT Mitarbeiter uns mitteilten, dass wir in ein anderes Hotel verlegt werden und dass der Flug am Montag morgen geht. Wir reisten wieder in das entferntere Hotel vom ersten Abend, wo wir zu viert (unsere Mitreisende blieb in ihrem Hotel, da ihr Mann am gleichen Tag erwartet wurde) gegen 19:00 ankamen. Dort gab es auch Abendessen, jedoch keine Auskuenfte wie viele Flugzeuge nun wirklich am 07.08.2006 zu welcher Uhrzeit fliegen. Da wir eine Buchungsbestaetigung fuer 06:55 Uhr hatten und auch weitere Bekannte fuer diesen Flug gleiche Zeit gebucht waren, beschlossen wir rechtzeitig morgens abzufahren. Gegen 23:00 waren an diesem Abend im Bett.

(2.4) Montag, 07.08.2006

Um 03:00 wurden wir geweckt, bekamen ein kleines Fruehstueck und fuhren per Taxi um 04:20 mit einigen anderen Passagieren zum Flughafen, wo wir gegen 05:10 ankamen. Dort entwickelte sich das totale Chaos, da ausser den Passagieren unseres Fluges auch die Passagiere des normalen Fluges und anderer Fluege sich in der Vorhalle draengten. Es wurde wieder versucht, erst alle anderen Fluege abzufertigen und die Passagiere nach Berlin warten zu lassen. Am Flughafen trafen wir drei weitere Freunde aus unserer Reisegemeinschaft, so dass wir jetzt zu acht waren. Die Universitaet hatte fuer uns auch eine Dolmetscherin geschickt, damit wir uns besser verstaendigen konnten. Gegen 07:45 wurde angekuendigt, dass die Maschine aus Berlin Verspaetung hat. Erst gegen 08:30 wurde fuer die Berliner Passagiere die Abfertigungshalle geoeffnet. Wir checkten dort mit Gepaeck ein, wobei jedoch unsere drei fuer den 07.08.2006 fest gebuchten Freunde nicht einchecken durften. Gegen 09:30 kam die Ankuendigung, dass ein Flugzeug nach Berlin um 11:00 starten wuerde. Wir fuenf gebuchten gingen in den bekannten Wartebereich hinter Pass- und Sicherheitskontrolle und liessen unsere drei Freunde mit der Dolmetscherin zurueck. Hinter der Kontrolle diesmal Enge und kaum noch Sitzplaetze. Die Maschine aus Berlin landet und jetzt stehen zwei Blue Panorama Boing 737-300 auf dem Vorfeld neben einander. Offenbach wird versucht Starthilfe zu leisten. Es zeigt sich im Terminal, dass eine Reihe von Passagieren vom 04.08.2006 irgendwie anders bereist weggekommen ist und wir erfahren dass noch nicht alle Passagiere des Fluges fuer den 07.08.2006 einchecken durften. Um 11:30 kommt die Ankuendigung, dass ein Flugzeug um 14:00 fliegen wird. Es gibt wieder Softdrinks und Schokoriegel, mittags sogar ein warmes Essen (Hammel) im Restaurant. Verschiedene Airbus und andere Flugzeuge werden zwischenzeitlich abgefertigt. Wegen zu starkem Seitenwind, dann wegen zu starkem Rueckenwind, dann wegen zu grosser Hitze wird unser Abflug mehrfach schliesslich auf 17:00 verschoben. Inzwischen wurden von der MIAT zwei Bescheinigungen der Verspaetung verteilt (siehe 3.). Ab-und-zu ist jetzt jemand vom Management zu sehen und es gibt auch eine Mitarbeiterin, die etwas deutsch spricht. Gegen 18:00 erklaert der neue Pilot gegenueber zwei Reportern des WDR, die auch auf dem Montagflug gebucht sind, die technischen Hintergruende, beantwortet aber nicht die Fragen, warum keine Ersatzmaschine oder kein Ersatzkompressor beschafft worden seien. Nunmehr heisst es, es wuerde um 18:30 geflogen. Am Nachmittag gab es uebrigens keine Getraenke mehr da man ja abends fliegen wuerde. An den Toiletten musste man sich gegen Mittag bis zu 30 Minuten anstellen. Gegen 18:00 durften noch einige Passagiere, die fuer den 07.08.2006 gebucht hatten, einchecken. So stiessen auch unsere Freunde wieder zu uns, die den Tag ohne Verpflegung und Getraenke in der Abfertigungshalle verbracht hatten. Gegen 19:45 begann das Boarding, gegen 20:17 hob die Maschine zum Flug zum Zwischenstop in Nowosibirsk ab. Um 22:11 landete die Maschine in Tegel, so dass wir gegen 22:40 mit unserem Gepaeck den MIAT-Counter erreichten. Da unsere Anschluesse (Muenchen, Frankfurt, Hamburg, Hannover) alle weg waren, mussten wir noch eine Nacht in Berlin bleiben. Gegen 24:00 hatten wir endlich im Hotel eingecheckt.

(2.5) Dienstag, 08.08.2006

Je nach Ziel des Anschlusses standen die Reisenden aus unserer Gruppe zwischen 04:00 und 08:30 auf. Meine Partnerin und ich erreichten Hamburg Hauptbahnhof am 08.08.2006 um 13:51 – exakt fuenf (5) Tage spaeter als gebucht.

(3) Informationen von MIAT

Die Informationen von MIAT waren unzureichend und falsch. Man wurde immer wieder vertroestet. In mehreren Faellen wurden wir gegen besseres Wissen regelrecht belogen. Die MIAT gab keine Moeglichkeit, ein Telefonat zu fuehren. Man war auf die eigenen Mobiltelephone angewiesen. Ein Laden im Terminal bot gegen ueberteuerte Preise Internetzugang und Telefonate an. Jedoch wurde hier mehr die Verbindung gekappt (Auskunft der Betreiberin am Montag: auf Anweisung der Flughafenverwaltung).

(3.1) Uebernahme der Kosten und Entschaedigung

Am 05.08.2006 gelang es von einem der unteren Manager eine Unterschrift unter ein handgeschriebenes Dokument zu erhalten, dass MIAT fuer alle Kosten und eine Entschaedigung aufkommt.

(3.2) Bescheinigung 8-Stunden Verspaetung

Am 07.08.2006 wurde gegen 14:00 in Kopie eine Bescheinigung verteilt, dass der Flug OM 135 am 07.08.2006 mehr als 8 Stunden Verspaetung hat. In dieser Bescheinigung wurde ausfuehrlich darauf hingewiesen, dass MIAT von der Blue Panorama Maschinen einschliesslich Sprit geleast habe und das es sich um technische Probleme dieser Maschinen handele. Keine Entschuldigung, kein Hinweis auf Entschaedigung. Den seit Freitag wartenden Passagieren reichte diese Bescheinigung in keiner Weise. Es wurde eine neue mit Angabe der Gruende und der inzwischen fast viertaegigen Verspaetung verlangt.

(3.3) Bescheinigung Verlegung des Fluges

Am 07.08.2006 wurden gegen 16:00 Bescheinigungen auf Anfrage verteilt, dass der Flug OM 135 am 04.08.2006 auf den 07.08.2006 verschoben wurde. Gleichlautend auch in dieser Bescheinigung wurde ausfuehrlich darauf hingewiesen, dass MIAT von der Blue Panorama Maschinen einschliesslich Sprit geleast habe und dass es sich um technische Probleme dieser Maschinen handele. Keine Entschuldigung, kein Hinweis auf Entschaedigung. Falsch an dieser Bescheinigung ist, dass behauptet wird bereits am 04.08. den Flug auf Montag verschoben zu haben. Noch am 05.08. gegen 19:30 wurde von MIAT gesagt, dass die Maschine noch am 05.08. oder morgens am 06.08.2006 starten wird.

(4) Betreuung

(4.1) Betreuung durch die MIAT

Die Betreuung war durchweg schlecht und unzureichend:

- keine englisch- oder deutschsprachigen Ansprechpartner staendig anwesend

- keine Moeglichkeit bei der MIAT zu telefonieren

- unzureichende Versorgung mit Getraenken, besonders nachmittags

- Ablehnung medizinischer Unterstuetzung

- Falsche Angaben zu Abflugszeiten, Abflugskonditionen, Hotels, Abfahrtszeiten etc.

- Keine adaequate Verpflegung

- Keine Moeglichkeit die MIAT-Bueros oder -Schalter tagsueber zwecks Umbuchung oder Auskuenften aufzusuchen

- Keine schriftliche Entschuldigung und keine Erklaerung der Uebernahme der Kosten bzw. einer Entschaedigung

(4.2) Betreuung durch die deutsche Botschaft
Die Betreuung erfolgte nur am 04.08.2006 fuer kurze Zeit. Von der Botschaft kam an den Folgetagen trotz mehrerer Anrufe niemand. Telefonisch liess ein Mitarbeiter mich wissen, es gaebe kein Problem, da die MIAT das professionell loest.

(4.3) Betreuung durch Blue Panorama Airlines

Die Betreuung hielt sich in Grenzen und beschraenkte sich ausschliesslich auf die Anwesenheit im Flugzeug. Das Verhalten der Stewardessen liess an einigen Stellen zu wunschen uebrig, z.B. Zugang zu den Toiletten im vorderen Teil des Flugzeugs

(5) Sicherheit auf dem Flughafen Ulaan Baatar

Eine entscheidende Frage muss am Schluss gestellt werden: ist der Flughafen Ulaan Baatar sicher fuer groessere Flugzeuge oder lag es nur an technischen Maengeln der landenden Maschine?

(5.1) Position MIAT

MIAT behauptet, es sei ausschliesslich auf den Defekt des Startaggregates der Blue Panorama Maschine zurueckzufuehren, dass die Passagiere 4 Tage warten mussten.

(5.2) Position Blue Panorama

Blue Panorama sagt, man haette gewusst, dass das Startaggregat nicht funktioniert und deshalb per Fax angefragt, ob mit einem Aggregat in Ulaan Baatar die Maschine gestartet werden kann. Dies sei von der MIAT schriftlich bejaht worden. Erst vor Ort habe sich herausgestellt, dass das Aggregat nicht geeignet und nicht stark genug war.

(5.3) Wenn dies alles bereits am 04.08.2006 bekannt war – warum wurde dann kein Ersatzflugzeug gesendet oder ein Ersatzaggregat beschafft? Oder ist es auf Grund der Hoehe und klimatischen Bedingungen grundsaetzlich ein Risiko mit Maschinen einer bestimmten Groesse in Ulaan Baatar zu landen? Muss Ulaan Baatar fuer solche Maschinen geschlossen werden oder sind nur die Maschinen von Blue Panorama Airlines zu alt oder zu schlecht gewartet, um in Ulaan Baatar problemlos starten zu koennen?

Echte oder vermeintliche technische Probleme und Probleme anderer Art (Finanzen, Zustaendigkeiten etc.) wurden vier Tage lag auf dem Ruecken mehrerer hundert Passagiere ausgetragen. Dies ist der eigentliche Skandal. Technische Probleme kann es immer wieder geben, aber das Handling durch die MIAT war veranwortungs- und wuerdelos. Im Jahr zur 800-Jahr-Feier haette man erwarten koennen, dass sich die MIAT und der Flughafen Ulaan Baatar auf den Umgang mit Touristen eingerichtet haetten.

Dr. Ulrich Kampffmeyer

per e-mail am 13. August um 17h27

8.8.06 22:12
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


rielei (8.8.06 22:51)
Danke, vielen Dank,
dass du dir heute noch diese Mühe gemacht hast.
Alle Achtung.

Wie müde du jetzt sein musst ..
oder aufgewühlt .. .
Was bin ich froh, nicht dabei gewesen zu sein, kann ich da nur noch sagen.
Gespannt bin ich, was vom WDR noch kommen mag.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Geschichte "nur so" im Sande verlaufen wird.

Gute Nacht Thinkabout (ich bleibe hier bei diesem Namen),
habe einen guten Schlaf:-)
Gabi


Thinkabout (8.8.06 22:53)
Das WDR hat den Bericht zurück gestellt, nachdem eine Viertelstunde vor dem geplanten Übermittlungstermin die Ankündigung erfolgte, dass der Rückflug "innert Kürze" möglich sein würde...


masterkuki / Website (8.8.06 23:05)
Danke, thinkabout, für diese ausführliche und sachliche Darstellung des Ablaufs dieser unglaublichen Geschichte. Deine Schilderung unterscheidet sich wesentlich von den unsachlichen Kommentaren gewisser Klugsch..., die meinen, sich ein Urteil über Deine Vorbereitungen der Reise leisten zu können.
Gute Erholung
und ganz liebe Grüße


Strandsteine (13.8.06 21:47)
Hallo Thinkabout,
ein sehr beeindruckender Bericht
von Herrn Dr. Kampffmeyer.
Er bestätigt Eure Eindrücke intensiv.
Vielleicht meldet sich noch jemand,
der Hinweise geben kann, wann die Zurückgebliebenen ausgeflogen wurden.

Danke für die Info, die Steine


rielei (15.8.06 13:21)
Ja, dieses ganze Hin und Her, diese Ungewissheiten, die können mich schon beim Lesen erreichen.
Wie ist es denn mit Entschädigungen?
Zwei volle Arbeitstage zu verlieren, kann sehr viel bedeuten.
Dieses ganze Drama lediglich lapidar mit technischen Problemen (also MIAT sieht sich schuldlos und nicht ersatzpflichtig?) ab zu tun, ist wirklich ein Skandal!

Ach ja, auf meine Protestmail gegenüber MIAT bekam ich bis heute keinerlei Reaktion, was mich nun aber keineswegs verwundert.

Danke für diesen weiteren Bericht Herr Dr. Kampffmeyer, der Thinkabouts Erläuterungen sehr gut ergänzt.

Mögen die Erinnerungen an einen erlebnisreichen Mongoleibesuch den der Schatten über der Ausreise überstrahlen!

Liebe Grüße
Gabi

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