Mongolei - Weite und Tiefe


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2. Tag (8. Juli 2006): Ulaanbaatar - Ogiy-See



sms-einträge aus Ulaanbaatar:
Letzte Einkäufe. Es ist um 9 Uhr morgens schon sehr warm... Mit voll bepacktem Auto, aber trotz sieben Stunden Zeitunterschied durchschlafener Nacht sind wir in UB unterwegs. Gaskartuschen fehlen noch, und Onos Verwandschaft wünscht sich Gummibärchen.

Das Abendessen gestern unter erschwerten Bedingungen: wir haben Bouillon mit Nudeln auf dem Herd, doch der funkt nicht. Nun wissen wir, wie sowas wird, wenn Du Nudeln gar zu kochen versuchst, wenn du Wasserkocherwasser drübergiesst und dann vertrauensvoll hoffst, immer wieder...
8.7.06 13:35


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Martha (8.7.06 16:25)
eigenartig - du in der Mongolei und ich hier. Für dich ein ganz anderes Leben und für mich geht alles seinen geregelten Lauf.Und doch, immer wieder wenn ich hier reinschaue, begegnet mir wieder etwas neues, das ich bis noch nicht kannte. Häb der Sorg,

Martha


Engelbert / Website (8.7.06 16:28)
Hallo Thinkabout ... liebe Grüße aus der Pfalz. Bei uns scheint die Sonne, es ist warm und alles schön grün. Fast wie im Urlaub *gg*.


Tina (8.7.06 23:15)
Ich schaue gerade Fußball! Da sagt der Kommentator so salopp: "Das Bild wird morgen weltweit in allen Zeitungen zu sehen sein"...

Und da hab ich ja ein bißchen so meine Zweifel!
Es kommt vielleicht noch dicker als wir ahnen:
Länder ohne Webcams haben vielleicht noch nicht mal morgens eine Bildzeitung!

Oder wirft ein mongolischer Reiter die gezielt in die Jurte eines fußballinteressierten Schweizers? Siehste! ;-)

Liebe Caro, hier wird für unseren Sieg Feuerwerk abgefackelt, und ich bin sicher, Thinkabout freut sich riesig mit uns,wärst Du bitte so nett eine winzige SMS loszuschicken mit "Deutschland-Portugal 3:1"

Dankeschön!


Tina (9.7.06 09:56)
Ha!! Ich habs ja gewußt!

Jetzt sitz ich hier beim Frühstück "Hahnenschrei" mit Echt-Nutella ;-) und Automaten-Kaffee und frage mich, wie Ihr das durchstehen wollt, so gänzlich ohne die Klinsi-Ausschneide-Maske der bunten Zeitung durch den Tag zu kommen....

Das wird nicht einfach werden, wäre man jetzt in Rimini....
Na gut, ich will ja auch nicht als auf den ollen Kamellen rumreiten....Passiert ist passiert....

Auch enthält man Dir die (lebens)wichtige Information vor: "Ab morgen zählen wieder andere Bälle ;-))"!
Ob ich Caro nochmal bitten soll, Dich nicht allein im Dunkeln stehen zu lassen, und noch eine winzige SMS diesbezüglich...? Nein, Du wirst es merken!

Lieber Thinkabout, ist alles nur ein Späßchen! Du verpasst hier wirklich nix! Meine Freude über das gewonnene Spiel gestern und den schönen Tag heute schwappt nur gerade über. ;-) Und Du darfst diesen wertvollen Beitrag sofort nach dem Schmunzeln auch sehr gerne wieder löschen!, weil er nicht wirklich was im Mongolei-Bolg verloren hat.

Eine große Portion Lebensfreude verteil ich mal an Deine Leser hier, und den Rest schicke ich Euch rüber! Allen einen schönen Sonntag!

Aber der Bericht zu dem Spiel gestern - aus Deiner Perspektive betrachtet - fehlt mir tatsächlich! Man gewöhnt sich eben schnell an Schönes!

sms: 08.07.06

Alles sammelt sich zum Naadam-Fest / Ruinen, die von gestern sein könnten / ein Gewitterregen verwandelt Strassen / Abendspaziergang an rauher See



Ich schlafe trotz der Zeitverschiebung ausgezeichnet und vor allem durch. Als hätte mein Körper eine sehr genaue Vorstellung davon, dass er für längere Zeit kein ähnliches Bett mehr vorfinden wird...

Um neun Uhr haben wir die Schlüssel abgegeben, die Rechnung bezahlt - und wir sitzen tatsächlich im gepackten Auto, ohne dass Thomas den Rest hinterher tragen muss. Wir sind vollgepackt. Aber natürlich nur nach westeuropäischer Gewohnheit. Für Mongolen wäre die Sitzbank halb leer, wo wir hinten zu dritt sitzen. Das ist recht komfortabel. Zumindest dann, wenn ich mangels Kopffreiheit in der Mitte sitze, und Ono und Thinkabouts Wife an den Fenstern. Ono sitzt dabei auf dem abklappbaren "Notsitz". So wirkt er zumindest auf mich, denn die Rücklehne gibt nur bei geschickter Bepackung des Rückraums genügend Halt. Aber für Ono scheint alles okay, und in der Tat werden wir die Plätze fast nie wechseln.

Es fehlten noch Gaskartuschen - und Onos Familie braucht noch Gummibärchen. Die bringen wir der Schwester in die Bank, wo die ausgebildete Biologin arbeitet. Im schickem Einheitslook der Bankangestellten kommt sie uns auf dem Parkplatz entgegen. Der Rock akurat geschnitten, in eleganten Pumps, die Bluse blütenweiss. Der Businesslook scheint ihr Sicherheit zu geben, so dass sie ihre sympathische Scheu gar so weit ablegt, um uns auf englisch eine gute Reise zu wünschen.
Die jüngeren Mongolen lernen in der Schule heute fast alle englisch, zumindest als zweite Fremdsprache nach russisch. Aber es ist ihnen kaum ein englisches Wort zu entlocken. Die Angst, Fehler zu machen, scheint sehr stark zu sein. Praktisch alle schreiben denn auch sehr besser in der jeweiligen Fremdsprache, als dass sie sprechen.

Auf der Fahrt aus der Stadt fasziniert der Gegensatz zwischen hohen Glaspalästen, die als Zeichen der Moderne aus den Fundamenten schiessen, während dazwischen auf einem hohen Hügel unzählige Jurten weiss glänzend die Morgensonne reflektieren. Fährt man aus der Stadt, so dauert es nicht lange, bis sich die Landschaft vor einem ausbreitet, die Grasflächen werden weit und steigen an den Hängen in sanft geschwungene Berge auf. Viele Giebelzelte mit bemalten Symbolen säumen unseren Weg: Pferdezüchter auf dem Weg zum grossen Rennen zum Naadam-Fest. Da und dort sieht man deren Zuchtstolz auf der Weide galoppieren. Keine Zäune weit und breit. Zitternde Pferdeflanken, helles Wiehern, da ein stolzer Kopf, der die Nüstern in den Wind hält. Und so mancher Schweif ist in der Mitte schon zusammen gebunden, so wie es typisch ist für viele Rennpferde.

Meine Augen gleiten auch über unzählige recht stattliche Schafherden: Khuschur und Buuts - Schaffleisch im im Öl frittierten Teig oder in gedämpften Teigtaschen - traditionelle Verpflegung rund um das grösste Volksfest der Mongolen.

Doch wir fahren weiter. Ulaanbaatar wird dieses Jahr noch mehr überfüllt sein als sonst. Das Naadam-Fest aber wird in jedem grösseren Dorf gefeiert. An den Ausfallstrassen aller grösseren Ortschaften und auf jeder Anhöhe steht ein Owo. Ein Steinhaufen, den man vor jeder grösseren Reise drei Mal im Uhrzeigersinn umrunden sollte, um dabei bei jeder Runde einen Gegenstand auf den Haufen zu werfen.

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Was einmal da liegt, sollte, ja darf nicht entfernt werden, es sei denn, man befände sich in einer gesundheitlichen Notlage. Krücken dürfen weg und mit genommen werden. Und so findet wieder Verwendung, was ein anderer dankbar nach überwundener Mühsal abgelegt hat.

Was wird uns geschehen? Welche Hindernisse und Schwierigkeiten werden wir überwinden müssen? Das Auto ist gut, kein Zweifel. Aber die Strassen sind es bestimmt nicht...

Schon bald fällt uns auf: Die Weiden sind grün. Es muss sehr viel mehr geregnet haben, als wir das von 2002 kannten. Und auch jetzt ist der Himmel bewölkt und grau.

Ein grüner Sommer ist ein guter Sommer.

Von Zeit zu Zeit leuchtet eine Jurte am Horizont, als wäre sie am Himmel aufgehängt, und als Silhouette, wie festgeklebt am Boden, stehen gesattelte Pferde am gespannten Seil.

Wir besuchen eine Ruine,

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dessen Namen mir leider entfallen ist. Sie soll aus dem 15./16. Jh. stammen (Kharbuch?, der Name soll "der schwarze Bulle" bedeuten). Die Steine wirken so sauber und flach auf einander gelegt, als wäre gestern die Rekonstruktion fertig gestellt worden... Wir machen kurz Picknick und schauen, dass wir weiterkommen. Ein Gewitter kündigt sich an, und als es sich entlädt, werden die Fahrrinnen links und rechts der Mittelnase rasch zu kleinen Rinnsalen, dann zu Bächlein. Kein Fahrer fährt gerne durch Wasser, denn dann fährst Du immer "blind" und weisst nicht, ob nicht ein scharfer spitzer Stein Ungemach verspricht, oder ein überschwemmtes Schlagloch. Also fahren wir in Kurven Umwege durchs Gras. Der Boden ist zum Glück nicht so aufgeweicht, dass wir häufig stecken bleiben. Nur einmal müssen wir zurücksetzen, bevor sich die Räder im Schlamm eingraben. Während sich der graue Himmel im stehenden Wasser in den Fahrbahnen spiegelt, suchen alle ihren Rhythmus. Baktar muss genau so seinen Rhythmus beim Fahren finden wie wir beim Beifahren. Auch wenn Du nur sitzt: Du kannst Dich gegen die Pumps und das dazu gehörende Schütteln wehren oder nicht - und nicht immer ist die gleiche Strategie erfolgreich, um weniger zu ermüden...

Immer wieder geht unser Blick auch nach oben, wo sich selbst jetzt der Himmel weitet. Die Wolkenbilder, die sich über die Landschaft spannen, wechseln immer wieder, als würde der Wind den Himmel bemalen wollen.

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Nach achtzehn Uhr, nach mehr als acht Stunden Fahrt, treffen wir am Ogiy-See ein, gerüttelt und geschüttelt.

Es geht ein rauher Wind. Leider sind die Jurten im Camp alle belegt. Aber ein Holzhaus ist frei, das genau so im Rundbau angelegt ist wie ein Ger. Es gibt sogar Strom. Auch wenn das die nackte Glühbirne, die von der Decke hängt und entlang der das Regenwasser auf den Boden tropft, nicht unbedingt verspricht...

Ein bisschen Rumoren auf dem Dach und das Tropfen wird weniger. Wir machen Feuer im Ofen und Kochwasser auf dem Gasherd. Die Wärme in der Hütte ist gemütlich. Danach zieht es Thinkabout with Wife und Thomas hinaus. Der See scheint recht gross zu sein. Es geht eine steife Brise und das Strandgut ist fast so vielfältig wie an einem Meeresstrand. Meine Frau findet eine Riesenmuschel, und, als zusätzliche Besonderheit, einen recht grossen Süsswasserschwamm.

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Ein paar leicht verlotterte Pedalos stehen am Strand und leuchten in der Abendsonne. Auf dem Rückweg zum Camp finden wir gar ein Gewächshaus, das in bestem Zustand ist- es wird ein seltener Anblick bleiben. Hier gibt es für das Gemüse über die Jahreszeiten hinweg regelmässig und ausreichend Wasser.

Die Schatten werden von der Dämmerung verschluckt, und es zieht uns unter die Bettdecken. Schon kurz nach dem Lichterlöschen zersägt das regelmässige, tiefe Schnarchen von Thomas die Stille, doch ich finde sie schnell in meinem eigenen Schlaf wieder. Wann habe ich zum letzten Mal mit "fremden" Menschen in einem Raum geschlafen? In der Armee? Ich lausche seinem Atmen, wünsche ihm etwas mehr Regelmässigkeit, und dann habe ich in meiner eigenen Ruhe keine Wünsche mehr.

17.8.06 20:45
 


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Strandsteine (17.8.06 23:38)
Lieber Thinkabout,

die Bilder sind wirklich einsame Spitze.
Besonders das Landschaftsbild mit den Wolken möchte ich mal in groß sehen.
Und die Muschel in dem Sonnenlicht...einfach schön.

Durch den Bericht fühle ich mich mitgenommen.
Und höre den Thomas sägen....schmunzel...
Danke für Deine Sichtweisen,
die Steine


Tina (18.8.06 19:58)
Das ist das schöne am Freitagabend: man kann mal in aller Ruhe Deinen detaillierten und liebevoll zusammengestellten Reisebericht mitverfolgen.

Diese blauen Farbtupfer in den "Owos", haben die auch eine Bedeutung, oder ist das jetzt einfach Zufall? Immer interessant auch mal zu erfahren, an was ander Kulturen glauben.....

Diese Ruine könnte Khar bukh heißen, in einem Reisebericht: http://www.mongolei.de/wildberry/reise/abenteuer.htm ist das auch ein Besichtigungspunkt, ganz in der Nähe von Ulaanbaatar
12. Tag
Fahrt zum Khishig Undur sum. Besuch von Khar bukh. Die Unterbringung in Zelten

8 Stunden Fahrt finde ich auf der Autobahn schon entsetzlich lange, und da gibt es keine Schlaglöcher und Unebenheiten, und man hat komfortable Sitze und viel Platz....

Also ich wäre abends gerädert gewesen, und das Schlafen im Gemeinschaftssaal hätte sicher auch an meinem Nervenkostüm gezehrt. Da hat es die weite Landschaft, die Du so schön in dem blauen Wolkenbild festgehalten hast, und der ruhige See trotzdem recht schwer, den Beschwerlichkeiten einen Ausgleich entgegenzusetzen.

Zum Glück seid Ihr hart im Nehmen!


rielei (20.8.06 13:05)
Der Wind hat eine wunderschöne kreative Art Thinkabout.
Das zeigt vor allem dieses schmale Bild.
Diese Weiten lassen mich winzig werden und ich finde das .. großartig!

Im nächtlichen Chor der Schnarcher wäre ich nicht aufgefallen;-)

Vielen Dank, ich freu mich auf die Fortsetzung!
Gabi


rielei (20.8.06 13:07)
Ist das strahlende Lächeln auf dem ersten Bild des Tages das Geburtstagskind?
Oder sind wir noch gar nicht so weit??!


Thinkabout / Website (20.8.06 18:46)
O nein, Rielei, so weit sind wir noch nicht. Und das Strahlen gehörte eher zu einer Braut, denn zu einem Geburtstag, und ein Bild von ihr? Ich weiss nicht, Freunde von mir werden sich nie ungefragt hier erkennbar abgelichtet finden... Aber keine Angst, es wird Bilder geben, die von der Stimmung zeugen werden


Thinkabout's Wife (20.8.06 20:38)
@ Tina: Die blauen Flecken sind sog. Kathas, Seidenschals, die als Zeichen der Höflichkeit oder des Segens übergeben werden. Im übrigen Verbreitungsgebiet des tantrischen Buddhismus, dessen Oberhaupt der Dalai Lama ist, sind sie meines Wissens nach weiss, nur in der Mongolei blau. Weshalb das so ist, konnte mir bis jetzt niemand sagen.


Tina (22.8.06 06:17)
@Thinkabout´s Wife
Danke für Deine Antwort!
Ich habe gestern noch mal ausgiebig das www befragt, aber auch nichts gefunden.
Am Samstag geh ich mal zu Buch-Habel, der hat wunderschöne Reiseliteratur, unter anderem auch zwei schwere Bildbände über die Mongolei; mal schauen, ob ich da noch was zur blauen Farbe entdecken kann...
Allerdings wird das sicher nicht das einzig Rätselhafte bei Eurer Reise bleiben


Strandsteine (26.8.06 20:52)
Hallo zusammen,
in einem Buch habe ich in einem Absatz über dem
Geburtsort Dadal von Dschingis Khan folgende Zeilen gefunden:
In Deluun Boldog, wo ein weiterer Gedenkstein angebracht wurde, steht auf dem Hügel ein *owoo*
aus Steinen, geschmückt mit blauen Halstüchern,
dem mongolischen Symbol für Ehrerbietung.
Der Platz strahlt eine ruhige Würde aus.

Leider wurde die Farbe *blau* nicht weiter erklärt.
so tragen meine Zeilen zwar nicht zur Klärung bei, aber vielleicht ergibt sich ja unverhofft eine Lösung,die Steine

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